Protest JETZT!

Die personelle und strukturelle Unterversorgung der öffentlichen Spitäler in Wien ist nicht mehr tragbar. Während ganze Abteilungen wegbrechen und Personal frustriert abwandert, ignoriert die Stadtpolitik unsere Vorschläge aus dem 10-Punkte-Plan zur Rettung der Wiener Spitäler seit Monaten konsequent. Schon im Zuge der Gespräche im Frühjahr war abzusehen, dass seitens der politischen Verantwortlichen keinerlei Lösungsbereitschaft vorhanden ist. Es wirkt so, als seien alle anderen für Wiens Spitäler verantwortlich, nur nicht die Wiener Stadtregierung.

Verzweifelte Kolleg*innen treten mit uns in Kontakt und erzählen uns, dass es so nicht weitergehen kann. Das belegt auch die große Wiener Spitalsumfrage des renommierten Meinungsforschers Peter Hajek. Die Ergebnisse sind erschütternd und ein Auftrag an uns, umfassende Streik- und Kampfmaßnahmen vorzubereiten.

Zudem weisen die am Freitag, den 24. November 2023 in einer Pressekonferenz präsentierten Verhandlungsergebnisse der Stadt Wien, Gesundheitsstadtrat, WiGeV und Younion-Führung auf keine ausreichend Wertschätzung hin.

  • Kollektivvertragsabschluss in Höhe von 9,15 % bis 9,71 %
    Hier ist eine Einschätzung sehr einfach: Die Gewerkschaft hat eine satte NULL verhandelt. Die Inflation war im Vergleichszeitraum 9,15 % (Aussage der Verhandler*innen) und das Ergebnis ist für den größten Teil der Ärzt*innen auch 9,15 %. Folglich hat die Gewerkschaft erfolgreich einen Reallohnverlust verhindert. Wertschätzung schaut trotzdem anders aus; deshalb aus unserer Sicht ein MINUS.
  • Positiv aus dem EUR 150 Mio. Paket ist eindeutig, dass unsere Forderung nach 10 Tagen Sonderurlaub für Fortbildung vereinbart wurde. Eindeutig ein PLUS.
  • Positiv ist auch, dass EUR 1.000 jährlich für Fortbildungen verhandelt wurden. Unsere Forderung lautet zwar auf EUR 5.000 pro Jahr, aber wir verbuchen das immer noch als PLUS.
  • Die Erhöhung der Nacht-, Wochenend- und Feiertagszulage bringt selbst im Rechenbeispiel auf der Website des WiGeV jedem*r Ärzt*in nur rund EUR 110 netto pro Monat. Wertschätzung sieht anders aus. Aus unserer Sicht deshalb ein glattes MINUS.
  • Die Möglichkeit einer Ernennung zum*r Oberärzt*in nach drei Jahren ist grundsätzlich positiv zu sehen. Allerdings haben wir große Sorge, dass die Bürokratie von Stadt Wien und WiGeV diesen Erfolg zunichte machen und weitere Kolleg*innen frustrieren wird. Deshalb aus unserer Sicht NEUTRAL.
  • Bleiben noch die höheren Einstiegsgehälter in den Mangelfächern. Diese sind grundsätzlich positiv zu bewerten, bleiben aber hinter den Erwartungen zurück. Wir sind skeptisch, dass es möglich ist, beispielsweise den Anästhesist*innenmangel im WiGeV durch ein um 9,7 % erhöhtes Einstiegsgehalt (Beispiel von der Website des WiGeV) zu lösen, während freiberuflich tätige Anästhesist*innen im gleichen WiGeV aktuell EUR 250 pro Stunde verdienen. Es bleibt ein vorsichtiges NEUTRAL.

Was allerdings bei der Pressekonferenz komplett gefehlt hat war, dass über eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen kein Wort verloren wurde. Es reicht nicht, neue Dienstposten zu schaffen, die dann zusätzlich zu den bestehenden unbesetzt sind. Was wir brauchen sind Menschen, die mit uns gemeinsam gerne in den Spitälern der Stadt Wien arbeiten. Wir brauchen eine Entbürokratisierungswelle, mehr Autonomie auf Haus- und Abteilungsebene um passende Lösungen für und mit den Kolleg*innen zu finden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es liegt an uns: Wollen wir weiter zuschauen, wie das Wiener Spitalssystem zusammenbricht und die Arbeitsbedingungen sich noch weiter verschlechtert, oder schließen wir uns zusammen und treten gemeinsam für unsere Rechte als Beschäftige im Gesundheitswesen ein?

Am Montag, den 4. Dezember 2023 um 14.00 Uhr findet der Protestmarsch aller Spitalsbeschäftigten am Neuen Markt statt. Die genaue Route können Sie hier entnehmen.

Wenn Sie laufend Informationen erhalten möchten, melden Sie sich in unserer WhatsApp-Gruppe unter streik@aekwien.at – unter Bekanntgabe Ihres Namens, Ihrer Arztnummer und Handynummer – an.

Herzlichst

Ihr Team der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien

Prim.a Dr.in Anna Kreil, Dr. Stefan Ferenci, Dr. Eduardo Maldonado-González